Wie es anfing

Im Jahr 1961 kam ich als Junglehrerin nach Helmstedt und übernahm neben dem Klassenunterricht den gesamten Musikunterricht an der damaligen Volksschule "Beireisschule" an der Schulstraße. Mit besonders singfreudigen Kindern gründete ich an der Schule einen Schulchor. Durch verschiedene kleine Aufführungen mit diesem Schulchor war der Stadtjugendring auf meine Arbeit aufmerksam geworden und bat mich darum, ein "Offenes Singen" durchzuführen.  So fanden in den Jahren 1963/64 mit Herbst-, Nikolaus- und Frühlingsliedern eine Reihe solcher "Offenen Singen" statt, bei denen der  Schulchor der Beireisschule jeweils als "Ansingchor" mitwirkte. Das Singen erfreute sich bei jungen Familien und Kindern großer Beliebtheit. Das veranlaßte mich, in Zusammenarbeit mit dem damaligen  Schulrat Wedler, Kinder aller Helmstedter Grundschulklassen zu einem "Helmstedter Kinderchor" einzuladen. Auf Anhieb meldeten sich dafür ca.100 Kinder an. In  zwei Gruppen begann mit diesen Kindern eine fröhliche Singarbeit. Mit einem Advents- und Weihnachtsliedersingen stellten wir uns im Dezember 1965 in der Aula der Pestalozzischule den Eltern vor.

Am 22. Juni 1966 führten wir mit dem Kinderchor als erstes Singspiel "Die Bettlerhochzeit" von Cesar Bresgen  in der Grundschule an der Pestalozzistraße auf. 1967 folgte die Aufführung des Singspiels „Wir bauen eine Stadt“ von Paul Hindemith. Es war zur damaligen Zeit immer schwierig für derartige Aufführungen Instrumentalisten zu finden, die den Kinderchor begleiten konnten.

So entwickelte sich der Gedanke, den musikbegeisterten Kindern in der Stadt neben einem Chor vor allem auch Instrumentalunterricht anzubieten. Dafür fehlten natürlich zunächst die  Finanzen und außerdem die Lehrer.  Der damalige Leiter der Volkshochschule, Herr Werner, suchte immer wieder nach Möglichkeiten der Finanzierung und schlug schließlich die Gründung einer Jugendmusikschule über die VHS vor. Nun fehlten aber immer noch Lehrer und Lehrerinnen, die bereit waren, einige Stunden Instrumentalunterricht zu erteilen. In der Pause eines Kaisersaalkonzertes kamen schließlich Herr Winkler und Herr Kruse auf mich zu und sagten: "Wir machen da mit!" Mit dieser Zusagen konnte das “Unternehmen Jugendmusikschule” gestartet werden.

Bis zur Gründungsversammlung am 21. November 1966 waren 200 Anmeldungen eingegangen. Als Gründungskollegium stellten sich Kantor Helmut Kruse (jetzt Kirchenmusikdirektor am  Braunschweiger Dom), Siegfried Winkler, Friederike Spittler (Nagorni), Hermann Rozanski, Kurt Petzold und Alfred Kannapin zur Verfügung. Da diese sechs Lehrer nur in nebenamtlicher Funktion einige Stunden Musikunterricht in den Grundkursen und den Instrumenten Klavier, Blockflöte, Akkordeon, Violine erteilen konnten, war das Angebot der Musikschule zunächst sehr bescheiden. Um so erfreulicher war es für mich, in den folgenden Jahren erleben zu können, wie sich die Musikschule immer weiter entwickelte. Auch wenn es in den vergangenen 30 Jahren immer wieder einmal im Getriebe geknirscht hat, so haben sich doch immer wieder Menschen gefunden, die sich für die Belange der Musikschule einsetzten und durch ihr Engagement dazu beitrugen, daß diese Schule für die Kinder und Jugendlichen unserer Region ein umfangreiches Bildungsangebot bereithalten kann.

Auch unter finanziell schwierigen Bedingungen ist es meiner Ansicht nach aus bildungspolitischen, kultur- und jugendpolitischen Gründen  unverzichtbar, diese Investitionen in die Zukunft unserer Jugend weiterhin bereitzustellen.

Friederike Nagorni

Fortsetzung

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